14.09.2019
Seit 50 Jahren Denksport in Schnaittach
Der Schachclub Schnaittach feiert sein 50-jähriges Gründungsfest. Zum Jubiläum gab es vor dem Ehrungsabend
ein Simultanturnier mit dem Fidemeister Florian Wagner.


Seit einem halben Jahrhundert bemühen sich Mitglieder des Schnaittacher Schachclub (SCS), stets die richtige Strategie zu finden um den Gegner zu besiegen. Nun feierten die Schnaittacher Mitglieder ihr 50-jähriges Vereinsbestehen.Beim Festjubiläum im Schnaittacher Sparkassensaal wurden auch Gründungsmitgliedergeehrt. Der Festkommers stand nicht wie oft üblich nur im Zeichen der Festreden,sondern begann ganz im Sinne der Mitglieder mit einem Simultanschachturnier. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden des SCS, Hans-Peter Herterich, erklärte Spielleiter Willi Bayer den Ablauf des Simultanturniers. Hierzu wurde mit Florian Wagner aus Nürnberg ein Fidemeister eingeladen, um gleichzeitig gegen 20 heimische Schachspieler anzutreten. Der 29-jährige Wagner, der mit acht Jahren das Spiel vom Vater gelernt hat, bekam den Titel des Fidemeisters (FM) durch den Weltschachbund, die Fédération Internationale des Échecs, auf Lebenszeit verliehen. Bereits mit 17 Jahren ist Wagnermit einer Wertungszahl von 2300 FM geworden. Zum Vergleich: Beim Schachclub Schnaittach liegt der Durchschnitt bei 1650. In Schnaittach verlor Wagner kein einziges Spiel.Auch aus Vereinen außerhalb Schnaittachs waren Spieler gekommen. Der jüngste unter ihnen war der elf Jahre alte Kilian Schiele aus Altdorf zusammen mit seinem Vater, der ebenfalls gegen den Fidemeister spielte. Beide traten für den Laufer Schachclub an. Als einzige Frau zog Leni Nathrath, die bereits 12 Jahre lang den Schachclub Ottensoos führte, ihre Spielfiguren gegen Wagner. Am Ende hat sie sogar ein Remis gegen den Meister erreicht.


Florian Wagner
Fidemeister
 
 

Winfried Berg
SW Nürnberg Süd
 
 

Hans Federsel
SC Schnaittach
 
 

Martin Federsel
SC Schnaittach
 
 

Dieter Graf
SV Lauf
 
 

Leni Nathrath
SC Ottensoos
 
 

Werner Staar
SC Schnaittach
 
 

Klaus Weißmüller
SV Lauf
 
 

Bernhard Wöll
SV Lauf
 
 

Norbert Bader
SC Hersbruck
 
 

Alexander Bayer
SC Hersbruck
 
 

Julio Diaz
SC Schnaittach
 
 

Rudolf Dorn
ohne Verein
 
 

Ferdinand Geissler
SC Schnaittach
 
 

Stefan Igel
SC Rupprechtstegen
 
 

Bernd Jaklin
SC Schnaittach
 
 

Jonas Neumann
SC Vorra
 
 

Michael Ochsenkühn
SC Rupprechtstegen
 
 

Markus Porst
SC Ottensoos
 
 

Kilian Schiele
SV Lauf
 
 

Dieter Schiele
SV Lauf
 
 
Diese 20 Spieler haben sich den Anforderungen des Fidemeisters gestellt!

Vom SC Rupprechtstegen kam Michael Ochsenkühn aus Morsbrunn, der seit Jahren in der Kreisliga spielt. Die Regeln für ein Simultanspiel beinhalten, dass ein Spieler seinen Zug erst durchführen darf, wenn der Gegner vor dem Brett steht und die Ausführung beobachten kann.Es dauerte sehr lange, bis die ersten der Hobbyspieler resigniert aufgaben oder ein Remisangebot des Meisters annahmen. So hatte auch Martin Federsel aus Rollhofen, wie andere Spieler, ein großzügiges Remisangebot angenommen. Nach 28 Zügen hatte Julio Diaz, ein Gründungsmitglied des SCS, eine Konzentrationsschwäche und verlor seinen Springer. Fast die Hälfte der Teilnehmer war zu diesem Zeitpunkt schon ausgeschieden. Nach über drei Stunden Spielzeit bei 32 Zügen kämpften noch neun Gegner gegen den Fidemeister. Danach ging alles sehr schnell und auch Markus Porst vom Schachclub Ottensoos sowie nach 34 Zügen Dieter Schiele vom SV Lauf schieden als einer der letzten Teilnehmer aus. Bis zum Schluss kämpfte Bernd Jaklin vom SCS gegen den Meister, der seit neun Jahren Mannschaftspieler in der 2. Bundesliga ist. Jaklin, seit 1976 im Verein und dem Schachspiel verschrieben, musste sich am Ende aber doch geschlagen geben.

    
    
    
    
               
               


Vielfältige Chronik
Da die heimischen Schachspieler Meister lange kämpften, wurde es spät, bis der 2. Vorsitzende Norbert Schwarz die Chronik des Vereins zum Besten gab. Im Jahre 1969 trafen sich regelmäßig einige schachbegeisterte Bürger aus Schnaittach im ehemaligen Gasthof Kampfer zum Schachspielen. Dies waren Hermann Möhler, Reinhold Thiessen, Heinz Teufel, Hans Mehlinger, Ferdinand Geißler, Julio Diaz, Hans Federsel und Helga Maul, die lange Zeit die einzige Frau im gesamten Schachkreis blieb.

Eine Unterabteilung als erste Idee.
Die treibende Kraft zur Gründung eines eigenen Vereins war Hermann Möhler, der zur Gründungsversammlung am 20. August 1969 ins Schafferbräustüberl auch den Fußballverein einlud. Man hoffte, eine Unterabteilung des FCS werden zu können, genauso wie es bei vielen Schachvereinen in der Umgebung der Fall war. Dies klappte letztlich dann aber doch nicht und man beschloss, einen eigenen Verein zu gründen. Sieben Unterschriften zierten die Gründungsurkunde, auch die von Hans Federsel, der aber nicht persönlich an der Versammlung teilgenommen hatte. Er war Mitglied des damals noch existierenden Vereins in Neunkirchen. „Der Gründungstag lag schon immer etwas im Dunkeln, scheint mir aber durch den ersten Eintrag des Kassenbuches mit den Namen Möhler, Diaz, Albersdörfer, Maul, Thiessen, Mehlinger, Teufel, Geißler und Schuster und durch die Anmeldung am selben Tag beim Bayerischen Schachbund gesichert zu sein“, so Schwarz in seinen Ausführungen. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Motor der Vereinsgründung und zugleich ihr bester Spieler, Hermann Möhler, gewählt. Schon 1970 holte dieser den damaligen deutschen Meister Kestler aus Bamberg zu einem Schachturnier nach Schnaittach. 25 Jahre später war Vlastimil Hort der Gastgegner beim Simultanturnier. Die Schachspieler trafen sich anfänglich im Nebenraum des Schafferbräustüberl sowie im Keller der Badgaststätte und später im Cafe Merthan. Die längste Zeit, rund 20 Jahre, war der Gasthof Kampfer das Refugium des Schachvereins. Heutiges Vereinslokal ist Mama Ljubica in Großbellhofen, wo Donnerstagabend Schach gespielt wird. Der SC Schnaittach spielte ab 1979 mit zwei Mannschaften, die erste in der Kreisliga, die zweite in der Kreisklasse. Die erste Mannschaft stieg insgesamt dreimal in die Bezirksliga auf. Auch überörtlich wurde der Name Schnaittach zum Begriff für mittelfränkischen Schachspieler. In den Jahren von 1973 bis 2011 war Schnaittach sechs Mal Gastgeber für den Schachkongress Mittelfranken- Ost. Daneben veranstaltete der SCS mehrfach Lösungswettbewerbe, Schnellschachmeisterschaften und 1989 sogar die Blitzeinzelmeisterschaft des Bezirks.

Klamauk mit Roboter
Weitere Höhepunkte im Vereinsleben: Im Eingangsbereich der Sparkasse wurde anlässlich des Marktfests 1985 ein Schachroboter aufgestellt. Die Geschichte schaffte er es bis in die renommierten Schachzeitungen. In Wirklichkeit steckte ein Schachspieler vom Verein dahinter. Bereits 1979 stellte die Jugend zwei Mannschaften im Kreis. 1984 wird Bernd Jaklin zweiter der Jugend im Kreis. 1986 wird die Jugend ohne Punktverlust Meister. 1988 gewinnt Harry Scharnweber die Jugendeinzelmeisterschaft ebenso wie 1992 Mathias Brenner - im selben Jahr wird die Jugend Vizemeister. 1997 wird Achim Pörner Jugendeinzelmeister. Die Jugend schafft sogar den Aufstieg in die Bezirksliga mit Patrick Baumann, Brian Leffler, Fabian Plaß und Marcel Swoboda. 2009 und 2010 wird Fabian Plaß Meister in der Klasse U 18. Bernd Jaklin betreute die Jugend als deren Leiter und Trainer über 12 Jahre lang erfolgreich, so wie in den letzten Jahren Christian Thoma. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde entstand 2010 am Bürgerweiher ein Großschachfeld.

     
    „(v.Li.)2.Vors.Norbert Schwarz,Norbert Gläsel,Willi Bayer,Gründungsmitglied Julio Diaz, 
    1.Bgm.Frank Pitterlein, Gründungsmitglied Ferdinand Geissler,1.Vors.Hans-Peter Herterich.“
    	     
Drei neue Ehrenmitglieder
Einige Ehrungen standen noch an, bevor das fränkische Buffet eröffnet wurde. Darunter auch drei der Gründungsmitglieder, Helga Lösch, Ferdinand Geißler und Julio Diaz, welche die Ehrenmitgliedschaft erhielten. Mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurden der 1. Vorsitzende Hans-Peter Herterich und Norbert Gläsel für seine Verdienste als ehemaliger Vorsitzender. Für seine hervorragende Jugendarbeit wurde Christian Thoma mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet; ebenso wie Willi Bayer für sein Engagement in allen Bereichen des SCS. Die Geehrten wurden auch durch den Schirmherren des Jubiläumsfestes, Bürgermeister Frank Pitterlein, beglückwünscht.



(Bericht: UDO SCHUSTER (Pegnitz-Zeitung))


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